Amazon Watch: Amazon steigt ins Payment-Geschäft ein

Die Abwicklung von Zahlungen im Internet war schon immer ein lohnendes Geschäft. Schliesslich vertrauen einem die Kunden ihr Geld und ihre persönlichen Daten an – daraus läßt sich was machen. Ganz nebenbei kann man Gebühren verlangen und so prächtig an den Umsatzsteigerungen im Online-Handel partizipieren.

Auf der anderen Seite ist die Zahlungsabwicklung für Händler eine mühselige Angelegenheit. Anschriften prüfen, Bonität einschätzen, Mahnungen schreiben, Geld von säumigen oder insolventen Kunden eintreiben – das alles übertrifft die Möglichkeiten des Tante-Emma-Online-Ladens, dabei sind gerade die kleinen und mittleren Händler auf einen sicheren cash flow angewiesen – sonst droht ihnen schnell selbst die Insolvenz.

Sämtliche Micro Payment-Systeme, die Ende des letzten Jahrtausends vor allem von den Banken aus dem Boden gestampft wurden, um dieses Feld zu beackern, sind inzwischen eingegangen oder fristen zumindest ein Nischen-Dasein. Das Zahlungsmittel des World Wide Web heisst Kreditkarte – trotz aller Unsicherheit bei den Kunden.

ebay kauft PayPal

Was die Banken nicht geschafft haben – ein verbreitetes Online-Zahlungsmittel auf den Markt zu bringen – das gelang dem kleinen Anbieter PayPal aus Kalifornien. So richtig Verbreitung fand der Dienst aber erst nach der Übernahme durch eBay im Sommer 2002. Die Synergieeffekte waren enorm, keine andere Internet-Plattform wickelte soviele Zahlungen ab wie ebay, und PayPal-Zahlungen sind sicherer als die noch immer häufig anzutreffenden Vorkasse-Überweisungen.

PayPal hat inzwischen nach eigenen Angaben ca. 100 Millionen Kundenkonten und ist in 190 Ländern vertreten. Seit Mai 2007 darf sich PayPal sogar als Bank bezeichnen, denn man erwarb eine EU-Banklizenz. In Deutschland nutzen ca. 5 Millionen Kunden den PayPal-Service, angeblich sind das 22 Prozent der deutschen Online-Kunden.

Ausserhalb von ebay ist PayPal in Deutschland noch nicht so häufig anzutreffen, was vor allem an der “Ignoranz” der großen Online-Händler liegt. Otto, Quelle, Neckermann und Co. bieten PayPal nicht als Zahlungsoption an – auf der Liste der PayPal-Shops in Deutschland springen höchstens buch.de, betandwin.de und skype.de ins Auge, wobei Letzeres ja zu ebay gehört. Der Rest ist klein und eher unbekannt – was zwar genau der Klientel für einfache Zahlungsabwicklung entspricht, aer eben keinen Online-Kunden dazu bewegt, extra ein PayPal-Konto zu eröffnen.

Google steigt ein – Google Checkout

Im Sommer 2006 stieg der nächste Online-Riese in das Geschäft mit dem Geld ein. Unter dem Namen Google Checkout brachte die “don’t be evil”-Firma einen eigenen Dienst für die Abwicklung von Zahlungen im Online-Handel auf den Markt. Und so wie ebay seine Auktionsplattform für die Verbreitung nutzt, so setzt auch Google auf den bereits vorhandenen Kundenkreis: Transaktionen, die mittels eines AdWords-Click beginnen, bringen dem Händler einen kleinen Rabatt ein. Und natürlcih wurde Google Checkout auch in die Google Produktsuche (ehemals Froogle) integriert.

Bislang ist Google Checkout nur in englischer Sprache verfügbar und wickelt Transaktionen nur in US-Dollar und britischen Pfund ab. Entsprechend sieht auch die Verbreitung in Deutschland aus – es gibt sie einfach nicht. In den USA sieht das schon anders aus, dort hat Google einige namhafte Händler gewinnen können.

Auftritt: Amazon Flexible Payment Service (beta)

ebay macht es, Google machte es, da fehlt doch nur noch… MicrosoftAmazon! (Wer würde M$ schon sein Geld anvertrauen?) So war es eine Frage der Zeit, bis Amazon sein Angebot der Amazon Web Services um die Zahlungsabwicklung erweitern würde. Und so ging nun Amazon FPS in den USA an den (Beta-)Start, angekündigt als “the first payments service designed from the ground up specifically for developers”. Diese Ausrichtung hat sich schon bei Amazons Speicherplatz-Service Amazon S3 bewährt. S3 ist inzwischen Grundlage zahlreicher Web-Dienstleistungen und wird offenbar besonders von Entwicklern geschätzt (Success Story 37signals / Basecamp, Campfire).

Auch Amazon nutzt die Masse der Bestandskunden, um den neuen Service aufzuwerten. Jeder Amazon-Kunde kann sich mit seinem Amazon-Login auch bei anderen Händlern authentifizieren, die FPS anbieten. Damit kann Amazon dann auch gleich auf die bereits bekannte Bestell- und Zahlhistorie des Kunden zugreifen und so seine Bonität einstufen, was wiederum dem Händler zugute kommt (Datenschutz will ich hier mal aussen vor lassen).

Klingt erstmal gut – Immerhin hat man es in Deutschland schon auf Spiegel Online gebracht. Aber wie wird sich Amazon FPS verbreiten, wie gegen PayPal und Google Checkout behaupten können?

Fazit: wer macht das Rennen?

PayPal hat seinen Markt gefunden und wird vor allem im Consumer-to-Consumer-Geschäft führend bleiben – solange ebay dort das Maß aller Dinger bleibt. Zugleich wird dieser Markt Google verschlossen bleiben, und auch Amazon FPS wird wohl eher nicht auf ebay zum Einsatz kommen.

Google Checkout ist bislang auf den englisch-sprachigen Raum beschränkt und ignoriert die Euro-Zone. Wenn Google das ändert, wird Checkout auch für deutsche Händler interessant, zumal die vermutlich alle schon Google AdWords schalten und so von den Rabatten profitieren.

PayPal und Google bieten aber nur den reinen Geldtransfer, ohne Bonitätsprüfung und Inkasso; der Händler bleibt auf einem Teil der Probleme sitzen.

Amazon FPS adressiert sämtliche Bereiche des Zahlungsverkehrs im Online-Handel, und es ist Amazon zuzutrauen, angelehnt an die Lokalisierung des Online-Shops auch den neuen Service auf die ganze Welt auszuweiten. Klingt wie die ideale Lösung der Zukunft, gerade auch für Deutschland, wo Amazon einen seiner stärksten Märkte hat.

Bleibt die Frage, ob andere große Händler helfen werden, den Service unter’s Online-Volk zu bringen. Wer kann sich vorstellen, dass Otto, Quelle, Neckermann, Weltbild, HSE24, Tchibo usw. ihre Zahlung und damit ihre Kundendaten ausgerechnet dem großen Konkurrenten Amazon anvertrauen werden? No way!

So scheint sich also PayPal als Favorit abzuzeichnen. Oder gibt es einen “lachenden Vierten”, der sich noch nicht aus der Deckung getraut hat?

Mehr zum Start von Amazon FPS in deutschen Blogs:

hagebau startet virale Marketingmaschine für hagebau direkt

Knapp zwei Wochen nach dem Start des hagebau Online Shops startet hagebau direkt, das Joint Venture von hagebau und Otto, nun offenbar mit den ersten Werbekampagnen. Passend zum modernen Webauftritt geht auch hier gleich flott-modern und viral zur Sache: die TV-Spots mit der Identifikationsfigur Mike Krüger wurden gestern auf YouTube veröffentlicht. Unter dem vielversprechenden Benutzernamen “hagebaudirektTV“. Hier ein Beispiel:

Hagebau Direkt – TV-Spot auf YouTube

Die lustigen Spots eignen sich ja durchaus für die Verbreitung im Netz, und mit Mike Krüger als spassigem Hobby-Heimwerker haben sich die hagebauer auch ein gutes Zugpferd ausgesucht. Mal sehen, was da noch auf uns zukommt…

Ach ja, die Videos laufen – unter dem gleichen Benutzernamen – auch auf Sevenload. Sehr schön, die mag ich ohnehin lieber ;-)

 

Models im Doppelpack: Otto wirbt mit Tatjana Patitz und Eva Padberg

Der Otto Versand hat sich für den Titel des neuen Hauptkatalog Frühjahr/Sommer 2007 ein neues Gesicht geangelt – und sich dabei wieder für ein internationales Topmodel entschieden: Tatjana Patitz wird die Otto-Kunden in die “Saison des guten Gefühls” begleiten.
Das bisherige Titelmodel Eva Padberg bleibt den Kunden aber erhalten – im neuen Katalog wird Eva Padberg einen eigenen Einhefter mit dem Titel “Evas Favoriten” bekommen.

 

 

Und noch eine weitere junge Dame wird in Zukunft für Otto auf Blick- und Kundenfang gehen: mit der 25jährigen VIVA-Moderatorin Collien Fernandes will Otto in Zukunft im Hauptkatalog sowie auf www.otto.de für die Marke “Flashlights” werben.

Die gebürtige Hamburgerin hat schon als junges Mädchen für Otto posiert – sie war als 13jährige als Kindermodel für Otto im Einsatz.

Pressetexte:

 

Otto startet neuen Spezialkatalog: refashion

Der Hamburger Versandhändler Otto weitet mit einem neuen Titel sein Kataloggeschäft aus. Refashion soll vor allem Frauen zwischen 18 und 29 ansprechen, der Katalog soll alle vier bis sechs Wochen erscheinen und damit schneller als der Hauptkatalog (derzeit 3x im Jahr) auf Modetrends reagieren können bzw. selbst Trends setzen.

Im Gegensatz zum Magalog brandneu integriert Otto das Webangebot von refashion komplett in das bestehende Angebot von otto.de – auf grafische Spielereien wird also diesesmal verzichtet. Über die URL www.refashion.de landet man im Spezialkatalog-Bereich von otto.de, refashion-Artikel sind also ins Standardsortiment integriert.

Der Trend zu mehr Spezialkatalogen in höherer Frequenz, parallel zum “dicken” Hauptkatalog, geht also weiter. Beim Webangebot hat man diesesmal etwas gespart.

Mehr zum Thema:

 

Sqoops – Ein Shop wie ein Spiel

Vor einigen Wochen öffnete das deutsche Games-Portal sqoops.de seine Pforten. Das Hamburger StartUp, gegründet vom einstigen Datasave-Vorstandsvorsitzenden Wolfgang von Krogh, setzt sich mit der neuen Plattform in mehreren Punkten deutlich von der einheimischen Konkurrenz ab. Ich habe sqoops.de in den letzten Tagen etwas genauer unter die Lupe genommen und werde darüber in mehreren Teilen berichten.

Den Anfang macht heute ein Artikel über die auffälligste Besonderheit von sqoops.de – die Benutzerführung und das Design. Weitere Themen dieser Serie werden die Redaktionsarbeit (Content), das Sortiment und die Community-Features sein. Nicht zuletzt werde ich mit einer Test-Bestellung prüfen, wie gut sqoops im Pflichtteil abschneidet – beim Kundenservice und in der Bestellabwicklung.

Augenfällig beim ersten Besuch von sqoops.de ist das aufwändige, ansprechende Design mit einem ungewöhnlichen, aber nicht unangenehmen Farbschema (lila-orange), sowie die neuartige, auf Flash-Technologie basierende Navigation: Spiele-Cover fliegen in einer Art rotierender Wolke über den Bildschirm und lassen sich mit dem Mauszeiger “einfangen”. “Ein Shop wie ein Spiel” – der Slogan passt. Und das Konzept passt zur Zielgruppe. Schwierigkeiten mit der Bedienung – ein häufiges Problem bei innovativen, flash-basierten Konzepten – dürfte es bei der anvisierten Zielgruppe wohl nicht geben. Ein Problem ist natürlich die schiere Größe der Seite, die einen Modem-Benutzer wohl in die Flucht schlagen dürfte. Aber welcher Playstation- oder PC Games-Freak surft schon mit weniger als DSL…

Besonders gefällt mir die Aufteilung der einzelnen Shop-Seiten in zwei Bereiche: im oberen Bereich, den Bildschirm ausfüllenden Bereich wird mit kräftigen Farben, der Flash-Wolke und Schiebereglern für Preis, Altersfreigabe und Bewertung die Navigation durch das Sortiment realisiert und der Besucher “eingefangen”. Rollt man nach unten, findet man den zweiten Bereich, in dem auf hellem Hintergrund und mit dezenterem Einsatz von Farbe, Flash und Bildern detailiert über ausgewählte Spiele und besondere Angebote berichtet wird.

Durch diese Zweiteilung gelingt es hervorragend, die optische opulente und ansprechende, aber weitgehend textfreie Flash-Welt mit der eher biederen, inhaltslastigen Text-Welt zu verbinden.

Sqoops überzeugt durch innovative Navigation, stimmiges Design und eine gute Verbindung von Flash und Text-Inhalten. Ob sich das auch auf die Benutzerführung (Usability) auswirkt, lesen Sie im zweiten Teil meiner kleinen Serie.

Sqoops-Echo in anderen Blogs:

Brandneu bei Otto

Das Hamburger Versandhaus Otto hat vor einigen Tagen eine neue Marke vorgestellt. Unter dem Namen “brandneu” bietet Otto mehr als 30 Premiummarken wie Miss Sixty, Hilfiger Denim, Cinque, Toni Gard, Calvin Klein Jeans oder Pringle an.

Dabei ließ Otto von der Hamburger Agentur McEmotion (einer McCann Erickson Tochter) ein völlig neues Konzept entwickeln: Die Printausgabe des brandneu-Katalogs ist eine – wie ich finde – gelungene Mischung aus Magazin und Katalog (man nennt das dann Magalog), in der Startausgabe konzentriert sich der Magazinteil auf das Thema Kapstadt, die Fotostrecken der Katalogartikel passen sich diesem Thema geschickt an. Letzteres dürfte nicht so schwer gefallen sein, werden doch Fotoshootings fast ausschließlich in Südafrika angesetzt.

Das Magalog-Konzept macht zunächst einmal einen stimmigen Eindruck, die hochwertigen Fotos passen gut zu den Premium-Marken der Artikel. Eine 879,- Euro-Tasche von La Martina will ja schliesslich auch dem Kaufpreis und der Zielgruppe entsprechend präsentiert werden.

Ungewohnt für den Kunden ist auf jeden Fall die Positionierung der Bestellnummern. Die findet man nicht etwa neben den angebotenen Artikeln, sonder im Stile eines Modemagazins im Index am Ende des Katalogs Magazins Magalogs.

Die Online-Ausgabe des brandneu-Magalogs (www.brandneu.de) orientiert sich sehr stark an der Printausgabe. Seitenweises Blättern steht hier eindeutig im Vordergrund, die Magalog-Seiten lassen sich einzeln als PDF herunterladen. Klickt man auf ein Artikelbild, so werden Detailinformationen in einem Inforahmen am rechten Bildrand gezeigt (mit Frame-Technik, leider nicht mit AJAX).

Eine Suchfunktion bietet die Seite nicht, aber immerhin eine Markenübersicht sowie die Möglichkeit, Artikelnummern aus der Printausgabe direkt einzugeben (hier viel mir dann auf, dass es die 879,- Euro-Tasche online nicht gibt – schade).

Kein Warenkorb

Anstelle eines Warenkorbs gibt es einen Merkzettel. Die erste Verwunderung über die Begriffswahl – ein Webshop ohne Warenkorb-Funktion? – wird durch ein Aha-Erlebnis abgelöst, wenn man vom Merkzettel aus die ausgewählten Artikel “in den Warenkorb” befördern möchte: Plötzlich ist es vorbei mit der innovativen Magalog-Ansicht, und man befindet sich auf der jedem Otto-Kunden vertrauten Warenkorb-Ansicht von - www.otto.de! Von brandneu ist plötzlich nichts mehr zu sehen, ein Klick auf einen Artikel im Warenkorb führt zu einer Detailansicht des Otto Webshops.

Shopfunktionen von otto.de genutzt

Tja, die Shopfunktionen hat sich Otto also erstmal gespart, man nutzt vorhandene Technik und nimmt den Bruch im Bestellablauf in kauf. Der Erfolg der Online-Ausgabe von brandneu wird zeigen, wie sich das auf die Conversion Rate auswirkt. Vielleicht integriert Otto die ganze Sache besser, wenn das Konzept von brandneu sich als Erfolg herausstellt.

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