Autor: Stefan


Javari: Amazon greift Zalando und Mirapodo an

Amazon startet in Deutschland mit Javari sein nächstes Vertical im Fashion-Bereich – und legt sich nicht nur mit dem Einzelhandel (Deichmann & Co.), sondern auch mit den zwei in den Medien außerordentlich präsenten und in der Werbung aktiven Möchtegern-Platzhirschen, mirapodo und zalando.

Und hinter denen steckt ja nicht irgendwer – sondern die Samwers (zalando) und die Otto Group (mirapodo). Damit wird das Schuh-Segment also in Deutschland zu dem Schlachtfeld, auf dem sie erste große Runde im Kampf der Großen um die Marktanteile im E-Commerce so richtig entbrennt.

Zalando setzt dabei auf eine Seitenbewegung hin zum klassischen Versandhöndler und baut eine komplett eigene Logistik auf.

Otto versucht sich mit einem Schritt heraus aus der eigenen IT und betreibt mirapodo auf einer Demandware-Plattform – und das bei der Konzern-Tochter Baur und in direktem Wettbewerb zur Baur-Marke I’m walking.

Und Amazon bedient sich fleissig in der eigenen Service-Landschaft (inkl. Anmeldung mit dem Amazon Account), setzt aber auf eine frischere Optik – also nicht auf das Amazon-Einerlei – und punktet mit den eigentlichen Stärken des Weltmarktführers: der Logistik-Kompetenz. Kostenlose Lieferung am nächsten Tag, Lieferung in ganz Europa, kostenlose Rücksendung und – sauberer rechter Haken in Richtung mirapodo – 365 Tage Rückgaberecht. Hier geht es nicht um die schnelle Mark, sondern um die Vorherrschaft im deutschen Schuh-Handel.

Weitere Fashion-Segmente dürften folgen. Und wir dürfen gespannt sein, wer im Schuh-Dreikampf als Erster das Handtuch wirft. Aber vielleicht übernimmt ja Otto zalando von den Samwers und besiegt dann im Finale Javari nach Punkten… wer’s glaubt!

PS: Ist hier eigentlich gerade der Plan der Samwers gescheitert, zalando an Amazon zu verkaufen?

Amazon Watch: Checkout by Amazon jetzt auch in Deutschland

Es hat zwar fast 4 Jahre gedauert – aber nun ist der Bezahldienst von Amazon auch in Deutschland verfügbar. Über Vor- und Nachteile einer Bezahlabwicklung über das eigene Amazon-Konto haben wir hier schon im August 2008 berichtet. Die positive Einschätzung von damals hat nach meiner Einschätzung auch heute noch bestand, und man darf gespannt sein, wann weitere große Player in Deutschland “Bezahlen über Amazon” anbieten werden.

OK, bei neckermann.de oder otto.de wird man das wohl eher nicht zu sehen bekommen, aber für die gesamte deutsche “Mittelklasse”, inklusive aller aktuellen und zukünftigen Neueinsteiger, dürfte dies ein möglicherweise teurer, aber sicherer Weg zu mehr Vertrauen bei Neukunden sein.

(via internet world business)

 

Die Rolle der IT im E-Commerce

Auch wenn manche schon von E-Commerce als “Everywhere Commerce” sprechen – ursprünglich steht es für Electronic Commerce. Viele E-Commerce-Initiativen haben ihren Ursprung nicht in den Marketing-Köpfen, sondern auf den grauen Fluren der IT-Abteilungen, denn dort wurde über das Elektronische nachgedacht, wurde über Rechenzeiten, Bandbreiten, Speicherplatz diskutiert – und geherrscht.

Noch heute ist es unerlässlich, sich als E-Commerce-Verantwortlicher nicht nur mit Conversion Rates, CPCs, Kosten-Umsatz-Relationen und Sortimentstiefen auszukennen – nein, man muss auch ein grobes Verständnis für Usability, Cookies, CSS und Session Handling sein Eigen nennen. Denn auch wenn die Initiative heute eher von Marketing, Vertrieb und Business Development ausgeht – ohne IT läuft noch immer nichts.

Leider läuft oft auch mit IT nichts – denn wie lautet die erste Erkenntnis jedes Shop Managers, der auf die Ergebnisse eines IT-Projektes (“ich wollte doch nur eine Kategorie-Einstiegsseite ändern”) wartet? Es kommt später, als erhofft, und es wird noch teurer, als befürchtet.

So manöveriert sich die IT-Abteilung oder der IT-Dienstleister unaufhaltsam in die Büßerecke – dabei können die Damen und Herren oft gar nichts dafür, denn sie arbeiten mit unklaren Vorgaben (Stichwort moving target) und unfairen Zeitvorgaben. Die Shop Manager sollen doch bitte erst mal lernen zu beschreiben, was sie eigentlich haben wollen!

Kommt Ihnen diese Argumentation zwischen Shop Manager und IT irgendwie bekannt vor? Und: auf welcher Seite stehen Sie?

Ich versuche mal einen Denkanstoß:

  • wenn die Shop Manager schon vorher wissen, dass IT-Projekte nie in time oder in budget fertig werden – warum liegen dann IT-Teilprojekte so oft auf dem kritischen Pfad von Gesamtprojekten?
  • Und wenn die IT-Verantwortlichen schon vorher wissen, dass sich Anforderungen im Laufe von Projekten ändern und Termine unrealistisch gesetzt werden – warum bauen Sie dann nicht mehr Systeme, mit denen die Shop Manager ihre Detailanforderungen selbst umsetzen können?

Ich plädiere für  - nein, ich empfehle! im Kontext von E-Commerce-Initiativen  eine veränderte Ausrichtung der IT, sei es in der Software-Entwicklung, Software-Beschaffung oder beim Aufsetzen der so wichtigen Datenflüsse und -prozesse:

Haltet das daily business raus aus der IT. Konzentriert euch auf die Entwicklung von Tools, mit denen Shop Manager ihr Tagesgeschäft selbst abwickeln können – Content Management, Category Management, Import-Prozesse, Kampagnensteuerung, neuer Payment Provider, neue Produkt-Detailseite.

Wem das gelingt, dem winkt der Große Preis: spannendere Projekte, über deren Ergebnisse sich die Shop Manager freuen, selbst wenn sie später als erhofft kommen und teurer als befürchtet werden. Projekte, die eben nicht daily business sind, sondern first mover, earliy adopter!

Wem das nicht gelingt, oder wer das nicht wenigstens versucht – der wird auch in Zukunft dafür verachtet und gehasst, dass er sich zwar für eine Mini-Änderung einer Kategorie-Seite ein Bein ausgerissen, aber dann doch den Termin nicht eingehalten hat.

 

 

 

Quelle-Pleite – wo werden die Umsätze hingehen?

Bei allem Rummel um die Quelle-Insolvenz mit abschliessender Pleite der Arcandor-Primondo-Versandsparte erscheint es mir doch spannend zu beobachten, wo denn wohl die bisherigen Quelle.de-Umsätze in Zukunft getätigt werden – oder ob sie zu einem größeren Teil verschwinden.

Letzteres kann ich mir nicht so recht vorstellen – warum sollten Quelle-Kunden, die bisher im Internet bestellt haben, plötzlich wieder in Ladengeschäfte gehen oder gar Konsumverzicht üben? Die meisten werden weiter bestellen wie bisher – nur eben woanders.

Da fallen einem zuerst natürlich neckermann.de und Otto ein. Quelle-Sammelbesteller, die bisher mit diesem Modell Erfolg hatten, werden vielleicht eher zu Otto wechseln, da dort Sammelbesteller ähnlich bevorzugt behandelt und umsorgt werden. Viele Kunden wandern jetzt sicher endgültig zu Amazon ab. Die anderen Universalversender in Deutschland erwartet also eine Umsatzsteigerung. Quelle.de dürfte einige Zehntausend Bestellungen pro Tag abgewickelt haben, wer davon einen nennenswerten Anteil abbekommt, wird sich darüber freuen. Nach den ersten Insolvenzmeldungen wird es da vermutlich schon die erste Indikation gegeben haben, wie sich das Ende von Quelle für die Mitbewerber auswirken wird.

Oder zieht es die anderen Universalversender auch nach unten? An der Börse sinken ja bei Negativmeldungen auch die Aktienkurse der sog. Peer Group. Ist aber wohl eher nicht übertragbar – an der Börse wird die Zukunft gehandelt, im Versandhandel zählt das jetzt, der Bedarf. Spätestens zu Weihnachten, und das Weihnachtsgeschäft rollt ja gerade an. (weiterlesen …)

Versandhandelskongress in Wiesbaden – Zweifel an der Wahrnehmung von Web 2.0

Morgen beginnt der Versandhandelskongress in Wiesbaden. Alles, was Rang und Namen in der Branche hat, dürfte vor Ort sein. Und da Versandhandel quasi eine Untermenge des E-Commerce ist (oder zumindest bald sein wird), ist der Kongress auch für WebShop-Betreiber von Interesse.

Stefan Wolk von shoppingzweinull hat mal im Vorfeld erfragt, wie es mit WLAN in den Veranstaltungsräumen aussieht – die Antwort lässt den Blogger schmunzeln (oder verzweifeln, je nach Gemütslage und UMTS-Ausstattung). Ist halt ein Kongress, kein BarCamp ;-)

Ach ja, ich werde nicht in Wiesbaden sein, mir aber von meinen Kollegen berichten lassen. Oder twittert vielleicht doch jemand (mit UMTS-Karte) aus Wiesbaden?

Amazon Watch: Amazon steigt ins Payment-Geschäft ein

Die Abwicklung von Zahlungen im Internet war schon immer ein lohnendes Geschäft. Schliesslich vertrauen einem die Kunden ihr Geld und ihre persönlichen Daten an – daraus läßt sich was machen. Ganz nebenbei kann man Gebühren verlangen und so prächtig an den Umsatzsteigerungen im Online-Handel partizipieren.

Auf der anderen Seite ist die Zahlungsabwicklung für Händler eine mühselige Angelegenheit. Anschriften prüfen, Bonität einschätzen, Mahnungen schreiben, Geld von säumigen oder insolventen Kunden eintreiben – das alles übertrifft die Möglichkeiten des Tante-Emma-Online-Ladens, dabei sind gerade die kleinen und mittleren Händler auf einen sicheren cash flow angewiesen – sonst droht ihnen schnell selbst die Insolvenz.

Sämtliche Micro Payment-Systeme, die Ende des letzten Jahrtausends vor allem von den Banken aus dem Boden gestampft wurden, um dieses Feld zu beackern, sind inzwischen eingegangen oder fristen zumindest ein Nischen-Dasein. Das Zahlungsmittel des World Wide Web heisst Kreditkarte – trotz aller Unsicherheit bei den Kunden.

ebay kauft PayPal

Was die Banken nicht geschafft haben – ein verbreitetes Online-Zahlungsmittel auf den Markt zu bringen – das gelang dem kleinen Anbieter PayPal aus Kalifornien. So richtig Verbreitung fand der Dienst aber erst nach der Übernahme durch eBay im Sommer 2002. Die Synergieeffekte waren enorm, keine andere Internet-Plattform wickelte soviele Zahlungen ab wie ebay, und PayPal-Zahlungen sind sicherer als die noch immer häufig anzutreffenden Vorkasse-Überweisungen.

PayPal hat inzwischen nach eigenen Angaben ca. 100 Millionen Kundenkonten und ist in 190 Ländern vertreten. Seit Mai 2007 darf sich PayPal sogar als Bank bezeichnen, denn man erwarb eine EU-Banklizenz. In Deutschland nutzen ca. 5 Millionen Kunden den PayPal-Service, angeblich sind das 22 Prozent der deutschen Online-Kunden.

Ausserhalb von ebay ist PayPal in Deutschland noch nicht so häufig anzutreffen, was vor allem an der “Ignoranz” der großen Online-Händler liegt. Otto, Quelle, Neckermann und Co. bieten PayPal nicht als Zahlungsoption an – auf der Liste der PayPal-Shops in Deutschland springen höchstens buch.de, betandwin.de und skype.de ins Auge, wobei Letzeres ja zu ebay gehört. Der Rest ist klein und eher unbekannt – was zwar genau der Klientel für einfache Zahlungsabwicklung entspricht, aer eben keinen Online-Kunden dazu bewegt, extra ein PayPal-Konto zu eröffnen.

Google steigt ein – Google Checkout

Im Sommer 2006 stieg der nächste Online-Riese in das Geschäft mit dem Geld ein. Unter dem Namen Google Checkout brachte die “don’t be evil”-Firma einen eigenen Dienst für die Abwicklung von Zahlungen im Online-Handel auf den Markt. Und so wie ebay seine Auktionsplattform für die Verbreitung nutzt, so setzt auch Google auf den bereits vorhandenen Kundenkreis: Transaktionen, die mittels eines AdWords-Click beginnen, bringen dem Händler einen kleinen Rabatt ein. Und natürlcih wurde Google Checkout auch in die Google Produktsuche (ehemals Froogle) integriert.

Bislang ist Google Checkout nur in englischer Sprache verfügbar und wickelt Transaktionen nur in US-Dollar und britischen Pfund ab. Entsprechend sieht auch die Verbreitung in Deutschland aus – es gibt sie einfach nicht. In den USA sieht das schon anders aus, dort hat Google einige namhafte Händler gewinnen können.

Auftritt: Amazon Flexible Payment Service (beta)

ebay macht es, Google machte es, da fehlt doch nur noch… MicrosoftAmazon! (Wer würde M$ schon sein Geld anvertrauen?) So war es eine Frage der Zeit, bis Amazon sein Angebot der Amazon Web Services um die Zahlungsabwicklung erweitern würde. Und so ging nun Amazon FPS in den USA an den (Beta-)Start, angekündigt als “the first payments service designed from the ground up specifically for developers”. Diese Ausrichtung hat sich schon bei Amazons Speicherplatz-Service Amazon S3 bewährt. S3 ist inzwischen Grundlage zahlreicher Web-Dienstleistungen und wird offenbar besonders von Entwicklern geschätzt (Success Story 37signals / Basecamp, Campfire).

Auch Amazon nutzt die Masse der Bestandskunden, um den neuen Service aufzuwerten. Jeder Amazon-Kunde kann sich mit seinem Amazon-Login auch bei anderen Händlern authentifizieren, die FPS anbieten. Damit kann Amazon dann auch gleich auf die bereits bekannte Bestell- und Zahlhistorie des Kunden zugreifen und so seine Bonität einstufen, was wiederum dem Händler zugute kommt (Datenschutz will ich hier mal aussen vor lassen).

Klingt erstmal gut – Immerhin hat man es in Deutschland schon auf Spiegel Online gebracht. Aber wie wird sich Amazon FPS verbreiten, wie gegen PayPal und Google Checkout behaupten können?

Fazit: wer macht das Rennen?

PayPal hat seinen Markt gefunden und wird vor allem im Consumer-to-Consumer-Geschäft führend bleiben – solange ebay dort das Maß aller Dinger bleibt. Zugleich wird dieser Markt Google verschlossen bleiben, und auch Amazon FPS wird wohl eher nicht auf ebay zum Einsatz kommen.

Google Checkout ist bislang auf den englisch-sprachigen Raum beschränkt und ignoriert die Euro-Zone. Wenn Google das ändert, wird Checkout auch für deutsche Händler interessant, zumal die vermutlich alle schon Google AdWords schalten und so von den Rabatten profitieren.

PayPal und Google bieten aber nur den reinen Geldtransfer, ohne Bonitätsprüfung und Inkasso; der Händler bleibt auf einem Teil der Probleme sitzen.

Amazon FPS adressiert sämtliche Bereiche des Zahlungsverkehrs im Online-Handel, und es ist Amazon zuzutrauen, angelehnt an die Lokalisierung des Online-Shops auch den neuen Service auf die ganze Welt auszuweiten. Klingt wie die ideale Lösung der Zukunft, gerade auch für Deutschland, wo Amazon einen seiner stärksten Märkte hat.

Bleibt die Frage, ob andere große Händler helfen werden, den Service unter’s Online-Volk zu bringen. Wer kann sich vorstellen, dass Otto, Quelle, Neckermann, Weltbild, HSE24, Tchibo usw. ihre Zahlung und damit ihre Kundendaten ausgerechnet dem großen Konkurrenten Amazon anvertrauen werden? No way!

So scheint sich also PayPal als Favorit abzuzeichnen. Oder gibt es einen “lachenden Vierten”, der sich noch nicht aus der Deckung getraut hat?

Mehr zum Start von Amazon FPS in deutschen Blogs:

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