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Die Otto Group wächst – ist das genug?

Vor ein paar Tagen veröffentlichte die Hamburger Otto Group die Zahlen des Ende Februar abgelaufenen Geschäftsjahres 2010/2011. Die Zahlen lesen sich gut bis sehr gut, aber es scheint auch legitim das Konzernergebnis, insbesondere im Segment “Multichannel-Einzelhandel”, etwas kritischer zu hinterfragen. Die Otto Group operiert hier in einem stark und stetig wachsenden Markt, der deutsche Versandhandel wuchs 2010 um 15%. Als Top Player neben Amazon kann man sich daher nicht mit Wachstum begnügen, welches unter dem Gesamtwachstum des Marktes liegt – das würde nämlich den Verlust von Marktanteilen bedeuten.

Das Geschäftsjahr stand einerseits unter dem Zeichen der Quelle-Pleite, und ebenso wie neckermann.de und Amazon konnte Otto vom Ende des langjährigen Wettbewerbers profitieren – auch ohne die übernommene Marke quelle.de live zu bringen. Dazu kam das 60-jährige Firmenjubiläum der Marke Otto und ein deutlich selbstbewussterer Auftritt der Konzernfirmen Baur, Bon Prix, SportScheck und Schwab (Letztere mit dem Start der neuen Marken Sheego und Youman).

Ich konzentriere mich mal auf den Versandhandel und den E-Commerce in Deutschland und lese dazu aus den Zahlen heraus, dass die Marke Otto (die vorwiegend in Deutschland agiert – Niederlande, Österreich, Russland etc. dürften wohl eher weniger ins Gewicht fallen) gegenüber dem Vorjahr ein Wachstum von 13,6% erzielte – was knapp unter dem Marktwachstum liegen dürfte. Dabei stieg der Online-Anteil auf knapp 70% (Vorjahr: 62%) – der Nicht-Online-Umsatz ist damit um 12,7% zurück gegangen. Mal sehen, wie lange sich Otto noch Hauptkataloge leistet (leisten kann).

Das angegebene Wachstum des E-Commerce-Umsatzes der Gruppe in Deutschland von 27,2% täuscht nach meiner Interpretation der Zahlen lediglich darüber hinweg, dass Otto tatsächlich im Marktvergleich zurückfällt. In der Außendarstellung mag das funktionieren, es stellt sich aber die Frage, ob man sich mit solchen Angaben nicht auch selbst etwas vormacht.

Die Otto Group hat hervorragende Vorraussetzungen, sich gegen die Pure Player im Online-Markt zu behaupten. Aber so langsam muss man mal beginnen sich mit deren Mitteln zu wehren. Volle Kraft voraus, statt weiter nur halbherzig herum zu probieren – das wäre meine Empfehlung.

Schauen wir mal, was aus “Mirapodo vs. Zalando” wird – das ist der Nebenschauplatz, auf dem sich im Jahr 2011 zeigen wird, was besser funktioniert: maßlos mit Venture Capital um sich werfen, oder aus einem Konzern heraus agieren.

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