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Woot: Ein Tag – ein Produkt

Eigentlich ein sehr einfaches Geschäftsmodell: Man nehme an jedem Tag genau ein Produkt, und verkaufe es (günstig!), bis es ausverkauft ist. So machen es die Leute von woot!, und sie scheinen damit zunehmend Erfolg zu haben. Da fragt man sich doch, warum das noch keiner in Deutschland versucht – oder habe ich da bislang noch nichts von gehört?

Geschäftsmodell einordnen

Wie soll man dieses Geschäftsmodell nun einordnen? Es ist quasi das Gegenteil eines Universalversands. Oder die Steigerung des Tchibo-Konzepts (”Jeden Tag eine neue, kleine Welt”). Jedenfalls ein Modell, das nur im Internet einen Versuch wert sein dürfte – oder kann sich jemand einen Laden vorstellen, der mit einem einizigen Artikel vollgestellt ist, und mittags schließt, weils alles verkauft ist?

Kann das Modell erfolgreich funktionieren?

Ich würde sagen: im Prinzip ja, kommt darauf an, was als Erfolg bezeichnet. Mit einem Produkt pro Tag kann man sicher keine großen Umsätze erzielen – für einen professionellen Anbieter also eher eine Möglichkeit zum Abverkauf, als Ergänzung zu einem bestehenden Webshop oder einem Ladengeschäft.
Denkbar wäre das Modell auch als ein Einstieg ins Versandgeschäft – so wie bei woot! wird per Guerilla-Marketing erstmal eine Stammkundschaft aufgebaut, danach investiert man dann in die vorsichtige Verbreiterung der Produktpalette.

Warum noch nicht in Deutschland?

Ich nenne mal zwei Gründe:

a) Das Geschäftsmodell ist nicht geeignet, innerhalb vertretbarer Zeit zu einem Gewinn zu kommen.

b) Ein Blick auf die Geschäftsbedingungen von woot! zeigt schnell, dass es so in Deutschland nicht gehen würde. Woot! schliesst quasi jede Form von Rücklieferungen und Händlergarantien aus, was in Deutschland rechtlich nicht möglich wäre. In Deutschland kann bekanntlich jedes online gekaufte Produkt innerhalb 14 Tagen ohne Angabe von Gründen zurückgeschickt werden! Gerade solche Rücklieferungen würden in ein Single Product-Konzept aber ganz schlecht hinein passen – was soll man denn mit den zurückgelieferten Produkten anfangen?

Fazit: lieber nicht nachahmen!

woot! ist eine nette Idee, die vielen Medien eine Meldung wert ist und war. Ein valides Geschäftsmodell verbirgt sich meiner Einschätzung nach nicht dahinter. Wer in den USA lebt, kann hier trotzdem das eine oder andere Schnäppchen machen, denn die Angebote sind teilweise durchaus attraktiv.

Nachtrag (05.12.2005):

Deutlich euphorischer sieht Jochen Krisch von “Exciting Commerce” das woot!-Geschäftsmodell. Dieser Eintrag fasst seine bisherige Berichterstattung über woot! zusammen.

 

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